Wie funktioniert der Zinseszinseffekt?

Der Zinseszinseffekt gehört zu den beachtlichen und angenehmen Erscheinungen der Finanzmathematik: Wenn Sie sich Ihre angesammelten Zinsen nicht auszahlen lassen, so werden sie ab dem Zeitpunkt der erstmaligen Zinsvaluta (bei festverzinslichen meist nach einem Jahr) mit dem Gesamtbestand verzinst. Da der angelegte Betrag zu Beginn der „neuen“ Zinsperiode ist dann höher als „zum Anfangszeitpunkt“. Damit ergibt sich bei Ihrem Vermögensbestand keine gerade ansteigende Kurve, sondern eine Geldanlagebewertung die von Jahr zu Jahr schneller steigt.

Der Zinseszins und seine Bedeutung für die Geldanlage

Die Formel Zinseszins berechnen lässt sich sogar in einem Tabellenkalkulationsprogramm relativ einfach darstellen. Wenn Sie beispielsweise 5 Jahre übereinander anordnen, dann belegen Sie die Spalte „A“ mit den Jahreszahlen. In die Spalte „B“ kommt der Anfangsbestand. In der Spalte „C“ berechnen Sie die Zinsen (bei jährlicher Zinszahlung) des einen Jahres. Diese Zinsen aus Spalte „C“ schlagen Sie dann dem Perioden- bzw. Jahresanfangswert aus „A“ zu. Am Ende des ersten Jahres steht der Jahresendwert dann in Spalte D, Zeile 1. Diesen nehmen Sie als Ausgangswert für das Jahr 2 in Spalte B, Zeile 2 und kopieren die Formeln einfach hinunter.

Dann sehen Sie, dass bei einer Geldanlage bon 100 Euro und einem Zins von 2 % folgende Werte erreicht werden: Nach fünf Jahren ist der Gesamtbetrag von 110,40 Euro statt 110,00 Euro. Bei diesem kleinen Anfangsbetrag und den derzeitigen Zinsen ist dies nicht beeindruckend, bei langen Laufzeiten und einem höheren Betrag ergibt dies schon einen beachtlichen Unterschied.

Mit diesem kleinen Tool und der Berechnungsidee müssen Sie also nicht zu einer mathematischen Formelsammlung greifen, um die Funktionsweise des Zinseszinses zu visualisieren. Insbesondere bei langen Planungshorizonten wie bei der Altersvorsorge oder der Finanzierung einer immobilie ist deshalb das „Drehen“ an drei Schrauben der Geldanlage der Weg zum Erfolg: Neben einer hohen Grundverzinsung bzw. Renditeerwartung sollten Sicherheit und der Zinseszinseffekt im Vordergrund stehen.

Den Zinseszinseffekt gibt es bei Geldanlage und Kreditaufnahme

Der Zinseszinseffekt wirkt natürlich nicht nur bei Geldanlagen, sondern auch bei Kreditaufnahmen. Wenn Sie beispielsweise einen Privatkundenkredit mit einem Dispokredit vergleichen, dann ist die letztgenannte Kreditart selbst bei theoretisch ähnlichem Zins (beispielsweise einem Sonderangebot für Neukunden) viel teurer. Dort werden die Zinsen einmal im Quartal und nicht einmal pro Jahr belastet, so dass der Zinseszinseffekt dann seine SWirkung nicht erst ab dem „zweiten“ Jahr, sondern gleich im zweiten Quartal entfaltet.

Deshalb sollten Sie bei Geldanlage und Kreditaufnahme auch immer auf die Art der Zinsberechnung achten bzw. gezielt nachfragen. Dies zeigt, dass Sie sowohl ein selbstbewussster Bankkunde sind, als auch das bei Ihnen das notwendige Wissen vorhanden ist, Bankprodukte zu beurteilen. Und clever verhandeln zu können!

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